Welcome to Norway!

Von den ersten Eindrücken dieses Landes könnte man meinen, man hätte es mit wahren Misanthropen zu tun. Die Betrunkenen werden unversehens aus den Lokalen geworfen, die horrenden Preise werden üblicherweise mit einem “Welcome to Norway” abgetan und die von den vereisten Straßen provozierten Akrobatikmanöver werden nur mit einem kurzen Lächeln quittiert.

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Das Osloer Rathaus

Aber erstmal von Anfang an. Ich hab mich entschieden, mein viertes Semester in Oslo an der Høgskolen i Oslo og Akershus zu verbringen. So auch Kollege Matthias Alber, mit dem ich mich nun bis Ende Mai im hohen Norden befinde. Am 5. Jänner gings für Matthias, seine Freundin Katrin und mich vom Flughafen Wien Schwechat über Berlin nach Oslo. Während ich meine Mitreisenden zeitweise mit spontanen Adrenalinausschüttungen zu genervtem Augenrollen brachte, erkundeten wir auf dem Weg zum Studentenheim unser neues Zuhause, Tøyen, für die GrazerInnen: das “griesige” Viertel: In der Hauptstraße gibt’s gefühlte 143 türkische Friseure, deren Auslage zwischen Gefängnis- und 80er Jahre-Ästhetik schwankt, und unzählige extrem praktische kleine Kioske. 

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Das Opera Huset

Im Wohnheim angekommen lernt man dann auch relativ schnell seine MitbewohnerInnen kennen, sei es der halb russische, halb litauische Bodybuilder, der einem freitagabends ein gut gefülltes Glas Vodka und dazu ein Gläschen Orangensaft vorsetzt und dann, als ob das Stereotyp noch nicht genug ausgeschöpft wäre, mit kräftigem russischem Akzent “Now we drink russian style!” ins Gesicht sagt, sei es der iranische Soziologe oder aber die fast schon nationalistische Italienerin, deren Durchschnittseinkauf aus meheren Kilo Pasta und dazugehöriger Tomatensauce besteht. Aber wenn man sein kleines Domizil mal bezogen hat und die netten Eigenheiten seiner  MitbewohnerInnen kennen gelernt hat, fühlt man sich schon ganz zu Hause.

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Høgskolen i Oslo

Auch was die Uni angeht, ticken hier die Uhren etwas anders: Vorlesungen hat man wenige, dafür fliegt einem die Literatur nur so um die Ohren. Und auch hier haben die Vortragenden so ihre Eigenheiten, im Web-Kurs legt der Computer regelmäßig mitten in der Präsentation ein Update mit Neustart hin, was von Vortragenden mit einiger Überraschung bemerkt wird. Und im Kommunikationskurs lernt man vor allem, wieviel Kollegen der Professor in China, Ägypten und Saudi-Arabien hat, die er nur kurz mit “very good friends of mine” vorstellt.

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Was die NorwegerInnen selbst anlangt, bemerkt man schnell, dass das anfangs eingeführte Klischee der abweisenden, kalten Skandinavier hier so gar nicht zutrifft. Die Mitstudierenden sind oft genau so verwirrt von den Eigentheiten ihrer Landsleute und kaum weniger verschlossen als der österreichische Wohlstandsbürger.

Welcome to Norway!

Das zum Biersieden einladende Cafe Sør

Dass selbst in Oslo sämtliche Bars und Clubs um drei Uhr morgens schließen führt dazu, dass nicht nur nicht nur ein Vorspiel vorm Fortgehen gemacht wird, sondern auch nach dem Fortgehen noch zu Hause weitergefeiert wird – der Mensch gewöhnt sich bekanntlich ja an alles. Ein Fazit, dass ich aber schon jetzt sagen kann: Oslo ist eine kalte und teure Stadt, die Menschen machen das aber alles wieder wett.

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