Spassmacher und Hassprediger

“Personally, I miss the emotional heights of Egypt. It had everything – huge crowds, pyramids, chance of a mummy attack. But since then? Bahrain? Bor-ring! Yemen? More like Yawn-man! And Morocco? I could use a little less Rocco.”

So kommentierte Comedian und Anchorman Stephen Colbert vor einigen Wochen die Revolutionen im arabischen Raum. Spitzzüngig und mit einer gehörigen Portion Sarkasmus nimmt er in seiner Late-Night Show The Colbert Report, die von Montag bis Donnerstag auf Comedy Central ausgestrahlt wird, Bezug auf aktuelle politische Geschehnisse in- und außerhalb der USA. Dabei gibt er vor, ein erzkonservativer Republikaner zu sein, der schon den Kommunismus einfallen sieht, nur weil etwa die Zahl der erhältlichen Zahnpastamarken sinkt. Auf der anderen Seite steht Jon Stewart mit seiner Daily Show, ebenfalls auf Comedy Central. Er bekennt sich zwar offen zu seiner liberalen Einstellung, deswegen präsentiert er das Tagesgeschehen in seiner Show aber um kein Stück weniger skurril.

Spassmacher und Hassprediger

Stephen Colbert in The Colbert Report (www.colbertnation.com)

Muss soviel Spaß sein?

Infotainment ist das Schlagwort, das die einen aufhorchen und die anderen zusammenzucken lässt. Durchaus ernste Nachrichten lustig aufzubereiten und dem Publikum zu präsentieren, zieht viele Menschen an, wird aber oft als unseriös abgetan. Warum eigentlich? Gerade junge Zuseher und -innen können mit den herkömmlichen journalistischen Formaten nicht mehr viel anfangen. Armin Wolf hat das etwa in seinem Artikel zu Dokutainment sehr gut beschrieben. Dass junge Menschen kaum mehr Tageszeitungen lesen oder die Zeit im Bild einschalten, um sich zu informieren, ist für traditionelle Medien natürlich eine negative Entwicklung, es ist aber auch eine Chance für neue Medien. Der Versuch, an alten Formaten festzuhalten und Jugendliche auf deren Konsum zu konditionieren wird wohl kaum funktionieren, vielmehr kann man neue Formate so gestalten, dass den Menschen etwas zur Verfügung steht, dass sie sowohl informiert als auch unterhält.

Warum nicht?

In englischer Sprache gibt es neben solchen TV-Shows auch Seiten wie etwa The Onion, während auf deutsch bis auf das Satiremagazin Titanic nicht viel derartiges existiert. Dabei wäre hier sehr viel Potenzial vorhanden, das es zu nutzen gilt, wenn man das Feld nicht anderen überlassen will, die genau das Gegenteil von diesem unterhaltsamen Journalismus machen: Sich als seriöses Medium präsentieren und schlecht recherchierte oder hetzerische Nachrichten machen. Ein Beispiel: Glenn Beck, Nachrichtenhost auf dem US-amerikansichen Fernsehsender Fox News, agitiert regelmäßig im Geiste der politisch weit rechts anzusiedelnden Tea Party mit harscher Rhetorik gegen seine Feindbilder. Dabei genießt er zusammen mit dem Sender eine nicht zu unterschätzene Glaubwürdigkeit, obwohl er in seiner Sendung wesentlich abstrusere Konklusionen zieht, als sie dem besten Komiker jemals einfallen könnten, wie es Stewart selbst einmal hervorragend parodierte. Aber selbstverständlich gibt es auch hierzulande genug Beispiele für Medien, die ob ihrer Botschaften eindeutig zu viel Macht genießen.

Wie die Zukunft des Journalismus aussieht weiß niemand. Wahrscheinlich wird sie sich mehr aufs Internet verlagern und mit Tablets oder anderen Gerätschaften in Zusammenhang stehen. Was inhaltlich auf uns zukommt kann man weniger erraten, eines aber kann man erhoffen: Dass es lustig wird.

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4 thoughts on “Spassmacher und Hassprediger

  1. Grundsätzlich sollte man vor Infotainment nicht sofort zurückschrecken. Da geb ich dir recht. Aber ohne seriöse Medien könnte man gar keine Witze darüber machen. In Österreich besteht zwar noch viel Potential, das Verhältnis sollte aber nicht überschwappen. Es gibt immer Grenzen beim Spaß.
    Außerdem sehr wichtig: Es muss deklariert werden, was ernsthaft ist und was nicht. Sonst gibt es unzählige Missverständnisse.

  2. Natürlich ist ein Grundwissen erforderlich, aber ich finde, dass gut aufbereitete Shows den Spagat zwischen Information und Unterhaltung schaffen können. Und das mit der Deklaration stimmt zwar auch, aber alle hier gennanten, bezeichnen sich selbst als Comedy-Shows, Political Satire bzw. Satiremagazin. (Außer natürlich Fox News, obwohl die’s fairerweise auch machen sollten.)

  3. Gegen unterhaltende Shows, die Information behandeln, hab ich gar nichts. Aber ich glaube nicht, dass diese Shows selbst die Information bringen können. Das ist sicher nicht ihr Ziel, sondern die Unterhaltung. Deshalb kann ich mir diesen Spagat nicht ganz vorstellen.

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